Spieltheorie

Was ist schlimmer? Gewinnen oder verlieren?

Von diesem Text existieren zwei Varianten. Eine Leserfreundliche, kurze Version, die ihr gleich im Anschluss findet.
Alle die ein bisschen technischer versiert sind und mit den sozialen Komponenten nicht soviel anfangen können, sei der zweite Teil empfohlen. Die Einleitung ist bei beiden gleich:

Einleitung

Große Reisen sind automatisch mit großen Wartezeiten verbunden. Ob man auf einen Bus wartet, vor einem Bus wartet, im Bus wartet oder einfach einen gemütlichen Abend im Hostel verbringen möchte – Es gibt viele Möglichkeiten zum plaudern, tiefsinnig reden, gemütlich schweigen…Aber nach einiger Zeit ist Abwechslung ganz angenehm und deswegen ist es eine sehr gute Idee, ein paar Spiele dabei zu haben. In unserem Fall ein normales Kartenset, Quirgle (so ähnlich wie Scrabble nur mit Farben und Symbolen) und Level 8 (so ähnlich wie Phase10). Bereits in Rio, aber auch später in Buenos Aires stürzten wir uns in die von uns sorgfältig ausgewählten Spiele (wir standen in Wien eine halbe Stunde in einem Spielzeuggeschäft und diskutierten die verschiedenen Vorteile und Nachteile diverser Spieleboxen, Kartensets und Würfelspiele).

Variante 1:

Wir beide spielen leidenschaftlich gerne. Aber wir können nicht verlieren. Was bei zwei Spielern zu Problemen führt. Wenn einer von uns mehr als dreimal hintereinander verliert, stehen die Zeichen auf Sturm. Oder besser gesagt: Auf eisernes Schweigen. Die Wur ud der Ärger sind dann im ganzen Raum spührbar und das dämliche Grinsen des sonst so geliebten Gegenübers treibt einen zur Weißglut. Nachdem es bekanntlich um das wichtigste in der Welt geht, nämlich nichts, führen wir uns auf als ob wir gerade zutiefst persönlich beleidigt worden sind. Dementsprechend muss das auch der andere zu spühren bekommen. Mit bösen Blicken ist es aber nicht getan. Der Mund wird schmal, die Augen enge, die Arme vor der Brust verschrenkt Es fallen Sätze wie

– Du machst das Absichtlich – das sch…Spiel spiel ich nie wieder – Nein, ich will nicht nochmal verlieren – Es ist mir egal, ob es morgen besser wird – Ich hab nie Glück –

So versinken wir abwechselnd im Selbstmitleid und Frust über unsere Fähigkeiten.
Nach Buenos Aires mussten wir mehrere Wochen pausieren, um wieder einen stabilen Hausfriedn herstellen zu können.

Variante 2:

Für den weiteren Verlauf des Beitrags ist ein kurzer Exkurs in die einfachen Formen der Spieltheorie notwendig (an alle, die sich auskennen: überspringt die nächsten Zeilen und verzeiht mir, das ich die Spieltheorie falsch anwende)

Exkurs: Spieltheorie

Die Spieltheorie simuliert verschiedene (Entscheidungs-) Situationen, in denen mehrere Akteure (rational) miteinander agieren. In unserem Fall sind zwei ausreichend.
Eine relativ vereinfachte Variante der (nicht kooperativen) Spieltheorie (das Gefangenendilemma) geht ungefähr so:

Zwei Räuber werden von der Polizei geschnappt. Bei werden getrennt verhört, sie können nicht miteinander kommunizieren. Das Strafmaß wäre folgendes: Sagen beide nichts, gibt es für beide eine niedrigere Strafe. Gestehen beide, gibt es eine höhere Strafe. Belastet einer den anderen, geht er als Kronzeuge frei und der andere bekommt die Höchststrafe.

Wichtig ist, das beide Akteure einzeln Handeln, aber das Ergebnis von der Summe der beiden Handlungen abhängt.

Was das alles mit uns zu tun hat?

Nun gut, das Spielen hat sich etwas anders entwickelt, als gedacht. Es stellte sich nämlich heraus, das wir beide sehr schlechte Verlierer und ausgezeichnete Gewinner sind. Also wenn wir mehrmals hintereinander verlieren, ist der Abend gelaufen (Was zwangsweise passiert, bei zwei Spielern). Da der andere ein ausgezeichneter Gewinner ist, läuft er jubelnd durch die Bar/Das Zimmer/Das Hostel. Das hilft dem Verlierer natürlich ungemein.
Jetzt könnte man behaupten, es wäre ein guter Moment, um an unseren Charaktereigenschaften zu arbeiten und zu lernen, faire Gewinner/Verlierer zu sein.
Aber das steht natürlich außer Frage. Also ergibt sich nun eine für das Zusammenleben wichtige, aber komplexe Spielsituation:
Wenn Spieler A mehrmals hintereinander verloren hat, hat Spieler B ein Problem: Aufgrund des gemeinsamen Reisens ist die Stimmung ein nicht zu unterschätzender Faktor. Also eigentlich das wichtigste Ergebnis. Nun muss Spieler B überlegen:

  1. Spieler B spielt normal und riskiert zu gewinnen, womit für beide eine hohe Strafe, nämlich eisernes Schweigen den Rest des Abends, fixiert wäre.
  2. Spieler B. versucht zu verlieren, riskiert aber, dass Spieler A es bemerkt, womit für beide die Höchststrafe fixiert wäre: Ein Streit droht.
  3. Spieler B versucht, nicht ganz optimal zu spielen. Also nicht absichtlich verlieren, aber auch nicht immer den optimalen Spielzug zu wählen. Diese Option hat nur gleich ein dreifaches Risiko:
  • Spieler B. kann immer noch gewinnen, da es Glücksspiele sind = eisernes Schweigen
  • Spieler B. verliert, muss sich den Hohn des Gegners anhören und verfällt selbst in eisernes Schweigen
  • Spieler A wirft Spieler B vor, nicht “richtig” oder “ehrlich” zu spielen = ein Streit steht bevor.

Spieler A hat aber auch noch Handlungsspielraum:

  1. Spieler A spielt normal weiter, konzentriert sich und erhöht dadurch seine Chancen, wieder zu gewinnen (aber kaum möglich, da das Emotionslevel bereits so hoch ist)
  2. Spieler A spielt angefressen weiter, übersieht deshalb noch mehr und wirft entnervt die Karten in die nächste Ecke, wodurch ein Streit garantiert ist.

Also was tun?

Die Lösung: Die Karten beiseite legen, Schlafen gehen und die nächsten Tage so tun, als ob man keine Spiele mit hätte. Nach ein paar Wochen neue Spielkameraden finden, mit denen das Spiel zumindest wieder ein paar Tage Spaß macht (4 statt 2 Spieler = größere Risikoverteilung).

2 comments

  1. Georg

    Monday Depression? Gone!
    So nicer Artikel! Freuen uns auf mehr und auf euch wenn ihr wieder zurück kommts! 🙂
    Have Fun!

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    1. Conny

      Thank u wery mutsch!
      🙂 Kommt noch mehr, keine Sorge 😉

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