Bekanntschaften und Freundschaften 1

oder: Krijn, 5 Tage und 4 Nächte

Der Tropfen fiel von den uralten Bäumen und verwandelte den Boden in sumpfige Erde. Alles dampfte und der Wald genoss die Frische des seit Stunden andauernden Regen. Ein paar Kühe standen stoisch herum und bewegten sich nicht vom Fleck, als hätten sie bereits akzeptiert, komplett durchnässt zu werden. Plötzlich wurde die Stille durch laute Rufe unterbrochen – beim Näherkommen entpuppten sich diese als Gesangsversuche.
Obwohl wir trotz des Regens bereits mehrere Stunden gewandert waren, Wasser in den Schuhen, Rucksäcken, Unterhosen hatten, uns durch sumpfige, klebrige Lehmerde kämpften, tanzten wir zu dritt laut und fröhlich grölend durch den Jahrhunderte alten Wald zu unserem nächsten Refugio. Gegenseitig uns Lieder vorsingend hüpften und wackelten wir unserem Ziel entgegen, und vor allem Krijn trug unermüdlich mit seiner, alle Tonhöhen umfassenden, Stimme zur Erheiterung bei. Lachend und rutschend kamen wir vorwärts, hinter jeder Ecke einen Bergpuma vermutend.
Wir hofften, dass dieser uns bestimmt schon von Weiten hören würde, was uns alle nur noch mehr ermunterte, lauter zu singen. Es war kalt, nass und das nächste Refugio noch vier Wanderstunden entfernt.
Nach zwei Wanderstunden hatten sich, von uns unbemerkt, die Wolken gelichtet und mitten auf einer Lichtung kam plötzlich die Sonne hinter zwischen zwei Bergflanken hervor, als ob sie uns für unsere Heiterkeit belohnen wollte.

Das ist der absolute Höhepunkt, wenn ich an unsere gemeinsame Zeit mit Krijn, dem Amsterdamer zurückdenke.

Für uns werden während des Reisens die Personen, mit den wir unsere Erfahrungen teilen, immer wichtiger. Ein Hostel kann noch so toll sein, wenn wir keinen Kontakt zu netten Personen finden, vergessen wir es schnell. Dafür kann ein maximal durchschnittliches Hostel zum absoluten Highlight werden.
Zum Glück gab es auch den bestmöglichen Fall: Ein tolles Hostel mit tollen Menschen –

Willkommen im Earthship in El Bolson!
(Wer mehr über das Hostel selber lesen möchte, kann das selbstverständlich bereits hier nachlesen)

Ein Dorm wie aus dem (Traum-)Tagebuch eines Reisenden. 6 aufgeweckte, interessierte, motivierte Leute an einem Fleck. Jeder mit komplett unterschiedlichen Hintergründen:

Charmi, der Paraguayer, Deutsch sprechend, bereits weit fortgeschritten auf seiner spirituellen Reise und eine gute Inspiration und Wissenspool für alle.
Marijana, die junge lebenserfahrene Australierin aus Buenos Aires, immer mit einem Lachen auf den Lippen und einer lustigen Geschichte hinterher.
Krijn, der 23-jährige Holländer, der unterwegs ist, um selbstständiger zu werden und neue Erfahrungen zu machen.
Andre, der Schweizer, mit einer extra Portion Motivation und Energie ausgestattet, sowie hilfreichen Tipps zu den nördlichen Gegenden.

Die Gruppe blieb nicht lange beisammen, aber doch verband uns einige Tage etwas mehr als nur die gleiche Jurte. Wir feierten Krijns Geburtstag, gingen mit Krijn auf eine 5-Tageswanderung, aßen jeden Abend gemeinsam, sangen und führten vielen Gespräche.
Doch wie es auf Reisen oft so ist, der Abschied kommt schneller als gedacht und so reisten wir bald darauf Richtung Norden, nach Barriloche, um dort Weihnachten zu feiern. Natürlich versprachen wir uns alle, uns zu schreiben, den Kontakt nicht zu verlieren – was in der Realität des Reisens sehr schwierig ist. Direkt nach Weihnachten und vor Silvester ging es für uns nach Chile, Pucon, einem Touristenstädtchen direkt an einem See mit tollen, aber teuren Abenteuermöglichkeiten.
Als wir gerade unser Kanu vom See zurück trugen, erblickend wir im Hostel ein bekanntes Gesicht: Charmi, Andre und Krijn standen uns gegenüber!
So verbrachten wir eine zweite Woche miteinander! (Wer sich jetzt fragt, wo Marijana geblieben ist: Die hat sich unsterblich verliebt und ist für immer in El Bolson geblieben)

Leave a Reply